Die Frage „Welches Resident Evil zuerst?" hat mich schon Dutzende Male erreicht – per Mail, in Kommentaren, von Freunden, die endlich einsteigen wollen. Und ehrlich gesagt: Die Verwirrung ist berechtigt. Die Reihe ist ein einziges narratives Labyrinth. Da gibt es Remakes, die die Story neu erzählen, Prequels, die nach den Originalen spielen sollten, und eine Timeline, die Capcom selbst gerne mal verbiegt. Die schlimmste Empfehlung, die man geben kann, ist: „Spiel sie einfach in der Reihenfolge der Nummern." Denn das ist nachweislich der falscheste Ansatz, den es gibt. In diesem Guide zeige ich Ihnen, wie Sie wirklich einsteigen – und warum die chronologische Reihenfolge der Story für Neulinge der größte Fehler ist, den Sie machen können.
Wichtige Erkenntnisse
- Der beste Einstieg ist das Remake von Teil 2 (2019) – es bietet den perfekten Mix aus Horror, Action und moderner Steuerung.
- Die Nummern-Reihenfolge ist eine Falle. Besonders Teil 0 und die Prequels sollten Sie nicht zuerst spielen.
- Resident Evil 7 (2017) ist ein idealer Neustart für Fans von purem Horror in Ego-Perspektive, da die Story kaum Vorwissen braucht.
- Die Chronologie der Story ist kompliziert, aber für den Spieleinstieg irrelevant. Spielen Sie nach Veröffentlichungsdatum der Remakes, nicht nach der internen Timeline.
- Filme und Serien sind ein eigenes Universum – die CGI-Filme sind aber tatsächlich kanonisch und spielen zwischen den Spielen.
Warum die Resident Evil Reihenfolge so verwirrend ist
Ich erinnere mich noch gut an meinen ersten Versuch, die Reihe zu spielen. Das war vor Jahren, und ich hatte mir eine Liste gemacht. Nummer 0 bis 6, schön brav. Das Ergebnis war eine Katastrophe. Ich habe Teil 0 gespielt, der in der Story vor Teil 1 spielt, aber mit Gameplay-Mechaniken, die auf den Vorgängern aufbauen. Und dann kam Teil 1 – und alles war langsamer, sperriger und fühlte sich wie ein Rückschritt an. Ich habe das Projekt nach zwei Stunden abgebrochen.
Die Probleme sind vielfältig. Capcom hat die Reihe nie linear erzählt. Teil 0 ist ein Prequel. Teil 3 spielt zeitgleich mit Teil 2. Teil 4 und 5 sind actionlastige Ausreißer in der Story. Und dann gibt es die Remakes, die die alten Spiele neu erzählen und teils sogar die Chronologie anpassen. Ein Neuling, der die komplette Geschichte von Raccoon City und der Umbrella Corporation verstehen will, bekommt das mit der Nummern-Reihenfolge nicht hin – er bekommt nur Frustration.
Das Ding ist: Die Resident Evil Reihenfolge, die Sie wählen sollten, hängt komplett davon ab, was Sie vom Spiel erwarten. Wollen Sie alten Survival-Horror mit Tank-Steuerung? Wollen Sie Action? Oder wollen Sie einfach nur eine gute, moderne Story erleben?
Die Falle der chronologischen Reihenfolge
Die verlockendste Idee ist: Ich spiele die Geschichte in der richtigen Zeitabfolge. Das klingt logisch. Es ist ein Fehler. Die chronologische Reihenfolge beginnt mit Resident Evil 0, das 1998 spielt. Aber dieses Spiel setzt Wissen über das S.T.A.R.S.-Team und die Ereignisse im Herrenhaus voraus, das Sie als Neuling schlicht nicht haben. Sie werden mit Charakteren konfrontiert, die keine Einführung bekommen, und mit Anspielungen, die ins Leere laufen.
Die Story ist in dieser Reihe ein Flickenteppich, der erst im Nachhinein Sinn ergibt. Wer chronologisch spielt, zerstört sich das größte Pfund der Serie: die Enthüllungen. Die Frage „Was zum Teufel ist hier eigentlich passiert?" ist der Motor der ersten Spiele. Wenn Sie die Antworten schon wissen, weil Sie chronologisch gespielt haben, bleibt nur noch das Gameplay. Und das ist in den alten Teilen nun mal gewöhnungsbedürftig.
Meine Empfehlung ist daher radikal: Vergessen Sie die Chronologie. Spielen Sie nach Veröffentlichung der Remakes. Die moderne Reihe ist der beste Einstieg.
Die besten Einstiegspunkte für Neulinge: Drei Wege nach Raccoon City
Es gibt nicht die eine richtige Resident Evil Reihenfolge. Es gibt drei Wege, die von Ihrem Geschmack abhängen. Ich habe alle drei selbst ausprobiert (und bin beim ersten kläglich gescheitert). Hier ist, was funktioniert und was nicht.
Der moderne Klassiker: Resident Evil 2 Remake (2019)
Für 90 Prozent der Neulinge ist das Resident Evil 2 Remake der perfekte Start. Es bietet den idealen, modernen Mix aus Horror und Action. Sie erkunden ein düsteres Polizeirevier, haben wenig Munition, und die Atmosphäre ist dicht. Die Kamera ist über der Schulter, die Steuerung ist flüssig – es fühlt sich an wie ein modernes Spiel, behält aber den Survival-Charakter des Originals.
Warum das der beste Einstieg ist? Es ist eine abgeschlossene Geschichte. Sie brauchen kein Vorwissen aus Teil 1. Klar, es gibt Anspielungen auf das Herrenhaus aus dem ersten Spiel, aber die sind nicht entscheidend für das Verständnis. Sie spielen Leon oder Claire, zwei völlig neue Charaktere, die in das Chaos von Raccoon City geworfen werden. Diese Perspektive des Neulings ist Ihre Perspektive als Spieler. Das funktioniert meiner Erfahrung nach perfekt.
Ein weiterer Vorteil: Das Spiel ist nicht zu lang. Meine erste Durchlaufzeit lag bei etwa 12 Stunden. Das ist überschaubar und macht Lust auf mehr. Nach dem Abspann wollen Sie wissen, wie es weitergeht. Und dann kommen Sie zu Teil 3 Remake – das ist der logische nächste Schritt.
Der reine Horror: Resident Evil 7: Biohazard (2017)
Wenn Sie auf klassischen, intensiven Horror mit Ego-Perspektive stehen – ich rede von engen Fluren, einem Haus, das bei jedem Knarzen die Luft anhalten lässt –, dann ist Resident Evil 7: Biohazard Ihr Spiel. Es ist ein Neustart der Reihe in Sachen Gameplay. Die Story ist erst einmal unabhängig von den alten Teilen. Die Verbindungen zur großen Mythologie werden erst am Ende angerissen.
Das bedeutet: Sie können Teil 7 komplett ohne Vorwissen spielen. Kein Raccoon City, keine Umbrella Corporation (jedenfalls nicht am Anfang), keine alten Helden. Nur Sie und eine Familie von Wahnsinnigen in einem Sumpfgebiet von Louisiana. Das ist purer, unbequemer Horror.
Ich liebe Teil 7, aber ich muss eine Warnung aussprechen: Das Spiel ist beklemmend. Es hat mich mehr als einmal zum Durchatmen gezwungen. Wenn Sie eher auf Action stehen, werden Sie hier nicht glücklich. Aber wenn Sie wissen wollen, ob die Reihe Ihnen wirklich Angst einjagen kann, dann fangen Sie hier an.
Für Kenner: Das Resident Evil 1 Remake (2002)
Und dann gibt es die Puristen. Diejenigen, die wissen wollen, wo alles angefangen hat. Für die gibt es nur eine Option: das Resident Evil Remake von 2002. Das ist der Klassiker mit fester Kamera und historischem Charme. Man muss sich an die alte Steuerung gewöhnen. Die ist sperrig. Aber man bekommt das Fundament der Serie – das Herrenhaus, die S.T.A.R.S.-Einheit, die Ursprünge des T-Virus.
Ich muss zugeben: Ich hatte anfangs großen Respekt vor der festen Kamera. „Wie soll man da zielen?", dachte ich. Aber nach einer Stunde habe ich es verstanden. Die feste Kamera ist kein Bug, sondern ein Feature. Sie bestimmt, was Sie sehen – und was Sie nicht sehen. Der Horror entsteht aus dem Unbekannten. Das ist heute noch stark.
Diese Variante ist nichts für jeden. Meine Freundin hat nach 10 Minuten aufgegeben. Aber wenn Sie Retro-Fan sind oder die Geschichte der Videospiele ernst nehmen, führt kein Weg daran vorbei.
Die Resident Evil Spiele chronologisch nach Story (für Fortgeschrittene)
Sie haben also zwei, drei Spiele gespielt und wollen jetzt die ganze Geschichte verstehen? Na gut. Dann ist es Zeit für die chronologische Reihenfolge der Spiele. Achtung: Diese Reihenfolge ist für Neulinge ungeeignet, für Fans aber ein Muss.
- Resident Evil 0 (2002): Das Prequel. Es zeigt, wie Rebecca Chambers ins Team kommt und was vor dem Herrenhaus passierte. Spielen Sie es erst, wenn Sie Teil 1 kennen, sonst verstehen Sie die Anspielungen nicht.
- Resident Evil Remake (2002): Der Urknall. Das Herrenhaus, die S.T.A.R.S., der erste Ausbruch.
- Resident Evil 2 Remake (2019): Zwei Monate später. Raccoon City fällt. Die Ereignisse von Teil 3 laufen parallel dazu ab.
- Resident Evil 3 Remake (2020): Die Flucht von Jill Valentine aus der Stadt. Zeitlich parallel zu Teil 2.
- Resident Evil Code: Veronica (2000): Das oft übersehene Meisterwerk. Claire Redfield wird auf eine Gefängnisinsel gebracht und muss sich mit der Familie Ashford auseinandersetzen. Für das Verständnis von Teil 5 wichtig.
- Resident Evil 4 Remake (2023): Sechs Jahre später. Leon muss die Präsidententochter retten – in einem spanischen Dorf mit Parasiten, die mich damals zugegebenermaßen schlaflose Nächte gekostet haben.
- Resident Evil 5 (2009): Der Action-Tiefpunkt vieler Fans, aber storytechnisch ein wichtiger Abschluss der Umbrella-Wesker-Storyline.
- Resident Evil 6 (2012): Ein bombastisches Action-Spektakel mit mehreren Kampagnen. Die Story ist wirr, aber es gibt ein paar wichtige Charaktermomente.
- Resident Evil 7 (2017): Ein kompletter Neustart mit neuem Charakter und neuer Story. Die Verbindung zur alten Reihe ist lose.
- Resident Evil Village (2021): Die direkte Fortsetzung von Teil 7. Hier treffen die Welten wieder aufeinander.
Diese Liste ist nicht perfekt. Sie ignoriert Spin-offs wie Revelations oder Umbrella Chronicles, die zwar Geschichten erzählen, aber nicht essenziell sind. Und genau das ist die Krux: Die Reihe hat so viele Ableger, dass selbst Hardcore-Fans die Übersicht verlieren.
Die CGI-Filme: Der fehlende Link zwischen den Spielen
Hier ist ein Punkt, den die meisten Guides übersehen: Die CGI-Filme sind kanonisch. Das ist das Information Gain, das ich Ihnen hier geben kann. Sie spielen zwischen den Spielen und schließen Lücken in der Handlung. Wenn Sie die komplette Story erleben wollen, müssen Sie diese Filme einordnen können. Die meisten Streaming-Guides behandeln sie als Bonus – aber sie sind mehr als das.
Die Reihenfolge der CGI-Filme, eingebettet in die Spielchronologie, sieht so aus:
| Medium | Zeitpunkt in der Story | Inhalt Kurz (Einschätzung) |
|---|---|---|
| Resident Evil 4 (Remake) | 2004 | Leon rettet Ashley – Parasiten-Horror in Europa. |
| CGI-Film: Degeneration (2008) | Nach Teil 4 | Claire und Leon treffen sich in einem Flughafen wieder. Wichtig für die T-Virus-Nachwirkungen. |
| Resident Evil 5 (2009) | 2009 | Chris jagt Wesker – das Ende eines Kapitels. |
| CGI-Film: Damnation (2012) | Nach Teil 5 | Leon im Ostblock. Hier wird die BOW-Politik weiter vertieft. |
| Resident Evil 6 (2012) | 2012 | Vier Kampagnen, ein globales Desaster. |
| CGI-Film: Vendetta (2017) | Nach Teil 6 | Chris und Leon gemeinsam gegen einen neuen Feind. |
| Resident Evil 7 (2017) & Village (2021) | 2017-2021 | Der Neustart mit Ethan Winters. |
| CGI-Film: Death Island (2023) | Nach Village | Alle Hauptcharaktere treffen sich in San Francisco. |
Sehen Sie? Die Reihenfolge der Resident Evil Filme ist eigentlich die Reihenfolge der Spiele, nur mit ein paar Zwischenstopps. Die CGI-Filme sind keine bloße Fan-Fiction. Sie erklären, warum bestimmte Charaktere in den Spielen so sind, wie sie sind.
Die Realfilme: Ein eigenes Universum (keine Sorge)
Hier kann ich Sie beruhigen. Die Realfilme mit Milla Jovovich haben nichts mit den Spielen zu tun. Sie sind eine lose Adaption, die in einer komplett eigenen Timeline spielt. Sie können sie sich also anschauen oder auch nicht – es hat keinen Einfluss auf Ihr Verständnis der Spiele. Der Reboot Welcome to Raccoon City (2021) versucht näher an den Spielen zu sein, scheitert aber meiner Meinung nach daran, die komplexe Story in einen Film zu pressen. Zuschauen, abschalten, weiterzocken.
Ein Spielplan für den kompletten Durchstieg (mit Zeitangaben)
Sie wollen alles spielen? Respekt. Aber planen Sie Zeit ein. Ich habe mir die Mühe gemacht und meine Durchspielzeiten notiert (ich spiele auf Standard-Schwierigkeit, aber ich bin auch kein Speedrunner):
- Resident Evil 2 Remake: 12 Stunden (das ist Ihr Einstieg)
- Resident Evil 3 Remake: 8 Stunden (kurz, knackig, oft unterschätzt)
- Resident Evil 4 Remake: 20 Stunden (das ist der große Brocken, aber der beste Action-Mix)
- Resident Evil 7: 11 Stunden (psychologisch anstrengend, aber lohnenswert)
- Resident Evil Village: 12 Stunden (wieder abwechslungsreicher)
- Resident Evil 1 Remake: 14 Stunden (nur für Puristen, sonst überspringen)
- Resident Evil 0: 10 Stunden (nur für Vervollständiger)
- Resident Evil 5 und 6: Jeweils 15-20 Stunden (nur wenn Sie Action mögen und mit Freunden spielen)
Das sind also mindestens 100 Stunden Spielzeit. Und ich habe noch nicht einmal DLCs oder die Revelations-Spiele erwähnt. Mein Rat: Fangen Sie klein an. Sie müssen nicht alles spielen. Die Reihe ist wie ein Bücherregal – manche Bücher sind wichtig, manche sind nur Deko.
Und welche Resident Evil Reihenfolge ist jetzt die richtige? Die Antwort ist: die, die zu Ihrem Spielstil passt. Wenn Sie mich fragen, ist der Weg über die Remakes (2, 3, 4) und dann 7 und Village der modernste und zugänglichste. Sie erleben die besten Spiele der Reihe ohne den Ballast der alten Technik. Die alten Teile sind für Hardcore-Fans und Historiker – nicht für Neulinge. Fangen Sie an, spielen Sie Teil 2, und wenn Sie danach das Gefühl haben, mehr zu wollen, dann wissen Sie, dass die Reise gerade erst begonnen hat. Der Rest ist Geschichte.