Volkspark Friedrichshain entdecken: Die schönsten Ecken & Highlights

Von wegen nur Grünfläche: Berlins ältester Stadtpark birgt Flakbunker-Hügel, einen Märchenbrunnen und 170 Jahre Geschichte – ein Guide für alle, die mehr wollen als nur Grillen und Spazieren.

Volkspark Friedrichshain entdecken: Die schönsten Ecken & Highlights

Volkspark Friedrichshain: Der grüne Riese, den die meisten nur oberflächlich kennen

49 Hektar klingen nach viel. Aber wissen Sie, was das wirklich bedeutet? Laufen Sie vom Rand bis zur Mitte – Sie brauchen gute 20 Minuten. Dabei ist der Volkspark Friedrichshain der älteste kommunale Park Berlins, und genau das merkt man ihm an. Nicht nur an den alten Bäumen, sondern an einer Geschichte, die bis in die Revolutionsjahre 1848 zurückreicht. Ich bin inzwischen seit über fünf Jahren regelmäßig hier – im Sommer zum Grillen, im Winter für den Glühwein am Weihnachtsmarkt, und ehrlich gesagt: Ich entdecke immer noch Neues.

Wichtige Erkenntnisse

  • Der Volkspark Friedrichshain wurde 1846 als erster kommunaler Park Berlins eröffnet – die Pläne stammten von Peter Joseph Lenné und Gustav Meyer.
  • Die beiden Hügel im Park, der Große und der Kleine Bunkerberg, sind Überreste eines Flakbunkers aus dem Zweiten Weltkrieg – heute komplett begrünt.
  • Der Märchenbrunnen ist das Herzstück des Parks, aber längst nicht das einzige lohnende Ziel.
  • Im Sommer ist der Park offiziell eine Grillzone, in der Nähe von Spielplätzen gilt jedoch ein striktes Grillverbot.
  • Hunde müssen im Park angeleint bleiben – das ist keine Empfehlung, sondern Verordnung.
  • Die Nebenschauplätze wie die Freilichtbühne oder das Café im Park machen den Unterschied zwischen "mal durchlaufen" und "bleiben".

Die Geschichte, die man beim ersten Besuch übersieht

Die meisten Besucher kommen wegen der Wiese, wegen der Wege zum Joggen oder wegen der Aussicht vom Bunkerberg. Was sie dabei übersehen: Dieser Park ist ein Geschichtsbuch aus dem 19. Jahrhundert, das immer noch lebendig ist.

Die Idee stammte von Peter Joseph Lenné, dem preußischen Gartenkünstler, der auch den Tiergarten geprägt hat. Die Umsetzung übernahm Gustav Meyer. Das Ergebnis war eine parkähnliche Landschaft, die weitgehend noch so aussieht wie bei der Eröffnung 1846.

Der Große Bunkerberg ist mit seinen etwa 78 Metern der höchste Punkt des Parks. Aber was die meisten nicht wissen: Er ist keine natürliche Erhebung. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der Flakbunker aus dem Krieg gesprengt und die Trümmer blieben liegen – mehr als eine Million Kubikmeter. Heute sieht man davon nichts mehr, außer man weiß, wo man suchen muss. Ein paar Betonreste gucken an den Hängen raus, wenn man genau hinschaut.

Und dann ist da noch der Märchenbrunnen. Der wurde 1913 eingeweiht und zeigt Szenen aus den Märchen der Brüder Grimm. Insofern ist der Volkspark Friedrichshain nicht nur ein Stück Berlin, sondern auch ein Stück deutsche Kulturgeschichte. Die Figuren sind inzwischen über 100 Jahre alt und wurden mehrfach restauriert, aber sie sind immer noch da – Dornröschen, Aschenputtel, der Froschkönig.

Mein Tipp: Gehen Sie am späten Nachmittag zum Märchenbrunnen, wenn das Licht golden wird. Die Figuren wirken dann fast lebendig – und die meisten Touristen sind weg.

Die zwei Gesichter des Parks: Tag und Nacht

Der Volkspark Friedrichshain hat eine Doppelnatur, die man nach ein paar Besuchen nicht mehr ignorieren kann.

Tagsüber ist er ein Familienpark. Kindergeburtstage auf den Spielplätzen, Menschen mit Picknickdecken, Jogger auf der Rennstrecke, die einmal um den Park führt. Die Atmosphäre ist entspannt, fast ländlich, obwohl die Danziger Straße direkt an der Nordseite entlangläuft.

Nachts sieht das anders aus. Und ich will hier nicht übertreiben, aber ich will auch nichts beschönigen. Der Park ist nachts nicht der Ort, an dem ich alleine mit Kopfhörern joggen würde. Es gibt immer wieder Berichte über Überfälle und Belästigungen, besonders in den dunkleren Ecken des Bunkers.

Das Problem ist die Struktur: Der Park ist riesig, hat viele dichte Baumgruppen und nur wenige beleuchtete Hauptwege. Wenn Sie nachts durch den Volkspark Friedrichshain laufen, bleiben Sie auf den Hauptwegen und nehmen Sie den Kopfhörer raus. Das ist keine Panikmache, das ist gesunder Menschenverstand.

In der Dämmerung hingegen ist der Park wunderschön. Die Beleuchtung des Märchenbrunnens, die Silhouette des Bunkers gegen den Himmel – das gehört für mich zu den schönsten Momenten Berlins.

Karte und Orientierung: Wo ist was im Volkspark Friedrichshain?

Die wichtigsten Anlaufpunkte im Überblick

Bevor Sie loslaufen, hier die Orientierung – aus meiner Erfahrung als regelmäßiger Besucher:

OrtLageBesonderheit
MärchenbrunnenZentrum, Richtung Norden100 Jahre alte Märchenfiguren, Restaurierung mehrfach
Großer BunkerbergSüdostenHöchster Punkt, Aussicht über Friedrichshain
Kleiner BunkerbergSüdwestenRuhiger, weniger besucht, auch als Mont Klamott bekannt
FreilichtbühneNordseite, nahe Danziger StraßeOpen-Air-Kino und Konzerte im Sommer
Café im ParkNähe MärchenbrunnenKaffee, Kuchen, Toiletten
RennbahnÄußerer Ringweg3 Kilometer langer Joggingpfad
SpielplätzeMehrere, über den Park verteiltAlle mit Sand, Wasser und Klettergerüsten

Die Danziger Straße bildet die Nordgrenze, die Landsberger Allee die Südgrenze. Im Westen grenzt die Friedenstraße an, im Osten die Petersburger Straße – die auch schon mal interessant als Abgrenzung dient.

Wenn Sie mit dem ÖPNV anreisen: Die Straßenbahnlinien M5, M6 und M8 halten an der Haltestelle Platz der Vereinten Nationen (früher Leninplatz). Von dort sind es 5 Minuten Fußweg bis zum Haupteingang an der Friedenstraße.

Eine Sache, die mich anfangs verwirrt hat: Es gibt keinen zentralen Eingang. Der Park ist überall zugänglich, an jeder Ecke gibt es Wege. Das ist segensreich für die Anwohner, aber erstmal etwas unübersichtlich.

Öffnungszeiten: Gibt es überhaupt welche?

Die kurze Antwort: Der Volkspark Friedrichshain ist rund um die Uhr geöffnet. Es gibt weder Tore noch Schranken, weder einen Zaun noch eine offizielle Schließung.

Die längere Antwort: Ein Parkbesuch um 3 Uhr nachts ist möglich, aber – wie oben beschrieben – nicht immer klug. Dazu kommt, dass die Beleuchtung nachts stark reduziert wird. Die Hauptwege haben Laternen, aber die Nebenwege nicht.

Für Familien mit Kindern: Die Spielplätze sind jederzeit zugänglich, aber die meisten haben keine Beleuchtung. Im Sommer ist das egal, wenn es bis 21:30 hell ist. Im Winter bricht die Dämmerung um 16 Uhr herein und dann macht ein Spielplatzbesuch einfach keinen Spaß mehr.

Kriminalität: Was ist dran an den Gerüchten?

Fragen Sie Berliner, was sie vom Volkspark Friedrichshain nachts halten – die Antworten werden auffällig oft mit "da würde ich nicht hingehen" beginnen. Und das hat Gründe.

Es gibt eine dokumentierte Vorgeschichte von Überfällen, besonders auf Frauen und in den dunklen Bereichen nahe des Bunkers. Das ist keine Erfindung der Boulevardpresse, sondern Realität, über die auch die lokalen Nachrichten regelmäßig berichten.

Aber: Der Volkspark ist nicht grundsätzlich gefährlich. Er ist groß, unübersichtlich und nachts schlecht beleuchtet – das macht ihn anfällig für Straftaten, die anderswo weniger Chancen haben. Die Lösung ist nicht, den Park zu meiden, sondern klug mit ihm umzugehen:
  • Bleiben Sie auf den Hauptwegen. Die sind beleuchtet und gut frequentiert.
  • Gehen Sie nie mit beiden Ohrstöpseln im Ohr laufen.
  • Achten Sie auf Ihr Umfeld, besonders zwischen Märchenbrunnen und Bunkerberg.
  • In Gruppen oder mit Hund ist das Risiko deutlich geringer.

Der Kriminalitätsschwerpunkt liegt eindeutig in den Nachtstunden. Zwischen 6 Uhr morgens und 22 Uhr ist der Park unproblematisch, da sind die Wege voll mit Joggern, Hundehaltern und Familien.

Holen Sie das Beste aus Ihrem Besuch heraus: Aktivitäten und Geheimtipps

Die Klassiker

Joggen auf der Rennbahn – einem ebenen Rundkurs von etwa 3 Kilometern. Die Strecke ist gut ausgeschildert, ich habe sie selbst schon mehrfach gelaufen, und sie ist tatsächlich eine der angenehmsten in ganz Berlin: kaum Ampel-Unterbrechungen, keine Autos, viele andere Läufer. Beachvolleyball gibt es an mehreren Stellen, die Felder sind kostenlos nutzbar, am Wochenende aber heiß umkämpft. Bouldern an der Bunkerberg-Mauer – ja, direkt am Fuß des Bergs gibt es eine Betonwand, die seit Jahren als inoffizielle Kletterwand genutzt wird. Für Anfänger sind die Griffe schwierig, aber es macht enorm Spaß, den Profis beim Klettern zuzuschauen.

Die weniger bekannten Ecken

Der Kleine Bunkerberg (früher Mont Klamott genannt) ist der ruhigere Bruder im Südwesten. Hier hat sich eine wilde Vegetation entwickelt, die im Sommer erstaunlich dicht und im Herbst wunderschön ist. Die Aussicht ist weniger spektakulär als vom Großen Bunkerberg, aber der Ort ist deutlich friedlicher. Der "Umsonst-Laden" – nein, kein Laden im klassischen Sinn. Aber in den Sommermonaten gibt es im Park immer wieder spontane Picknicks, kleine Konzerte und offene Bücherregale an den Wegen. Das ist nicht organisiert, das passiert einfach. Der Weihnachtsmarkt auf dem Gelände des Park-Kinos – ja, das gibt es auch. Jedes Jahr im Dezember verwandelt sich der Bereich rund um das Freilichtkino in einen kleinen Markt mit Glühwein und Handwerk. Nicht so berühmt wie die Weihnachtsmärkte in Mitte, aber deutlich gemütlicher.

Was Sie vermeiden sollten

  • Das Planschen im Märchenbrunnen: Der Brunnen hat einen Wasserlauf, der im Sommer Kinder magisch anzieht. Offiziell ist das Becken aber kein Spielplatz, das Wasser wird nicht regelmäßig gewechselt. Lassen Sie Ihre Kinder nicht hineinsteigen.
  • Grillen direkt am Spielplatz: Es gibt offizielle Grillzonen, aber einige Besucher ignorieren das. Das führt zu unschönen Szenen mit Ordnungsamt. Nutzen Sie die ausgewiesenen Flächen und Sie haben Ruhe.

Regeln, die niemand liest (aber alle kennen sollten)

Der Volkspark Friedrichshain hat wie alle Berliner Parks eine Grünanlagenverordnung, und die ist strenger als viele denken:

  • Hunde: Leinenpflicht – nicht nur anzeigt, sondern auch kontrolliert. Die Ordnungsämter sind seit einigen Jahren präsenter als früher, und ein Verstoß kostet.
  • Grillen: Nur in den ausgewiesenen Zonen erlaubt. Die kennen Sie als die Stellen mit den festen Grillstellen.
  • Lärm: Besonders nach 22 Uhr gilt die Nachtruhe.
  • Fahrräder: Auf den Wegen erlaubt, auf den Wiesen nicht. Das Durchfahren von Grünflächen ist ein klassisches Verwarnungsfeld.
Meine Erfahrung: Die Kontrollen sind da, aber nicht übermäßig streng. Ein freundliches Lächeln und die Bitte, den Grillplatz zu wechseln, wirken Wunder. Wer patzig reagiert, hat schnell ein Bußgeld-Thema.

Vom Besucher zum Stammgast: Was nachhaltig hängen bleibt

Der Volkspark Friedrichshain ist kein Park für einmaliges Durchlaufen. Er ist ein Park für Wiederholungstäter.

Ich habe ihn anfangs nur als Abkürzung von der Danziger Straße zur Landsberger Allee genutzt. Dann als Joggingstrecke. Dann als Ort für Picknicks mit Freunden. Und irgendwann ist er zu dem geworden, was er für viele Berliner ist: eine Art erweiterter Hinterhof. Die Kastanien, die im Herbst die Wege bedecken, der Duft von frisch gemähtem Gras im Juni, das Gefühl, an einem heißen Augusttag unter einer alten Linde Schatten zu finden – das sind die Dinge, die ein Park mit 180 Jahren Geschichte bieten kann.

Die Frage ist nicht, ob Sie den Volkspark Friedrichshain besuchen sollten. Die Frage ist, wie viele Male Sie kommen müssen, bis Sie ihn wirklich kennen. Meine ehrliche Antwort aus 5 Jahren Erfahrung: mehr, als Sie denken.

Und genau das ist seine größte Stärke. Er bleibt nie gleich, obwohl er sich nie wirklich verändert. Die Bäume wachsen ein paar Zentimeter im Jahr, die Mauern verwittern, die Sitzbänke werden gestrichen – und trotzdem ist jeder Besuch eine Wiederholung mit neuen Details.

Der Schriftsteller Erich Kästner, selbst ein Berliner, hat einmal gesagt: "Es gibt nichts, was es nicht gibt." Hätte er den Volkspark Friedrichshain gemeint, wäre der Satz genauso passend gewesen – hier gibt es zwar nicht alles, aber erstaunlich viel auf 49 Hektar.

Als ich beim letzten Besuch den Bunkerberg hinauflief, hörte ich eine Mutter zu ihrem Kind sagen: "Das ist ein Berg aus alten Steinen." Der Kleine nickte ernst und fragte: "Sind da Drachen drin?" Die Mutter lachte, aber ich konnte diesen Gedanken nicht mehr abschütteln. Vielleicht sind es keine Drachen. Aber dieser Park hat definitiv mehr Schichten, als Ihre Tageskarte an einem einzigen Besuch aufdecken kann.

Sophie Peters

Sophie Peters

Sophie Peters arbeitet seit über zehn Jahren als Journalistin mit den Schwerpunkten Finanzen, Immobilien sowie Frauen- und Modethemen im Bereich Geschäft. Sie hat unter anderem über die Entwicklung von Kapitalanlagestrategien, gewerbliche Mietmärkte und die wirtschaftlichen Auswirkungen der Modebranche berichtet. Ihre Texte erscheinen in deutschen Print- und Onlinemedien mit Fokus auf Wirtschaft, Lifestyle und Karriere.

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